lawi-info-pfad-herleshausen-wiesenflur-n
 
Suche
  • Philipp Pfister

Wie ist das gleich nochmal mit dem Nitrat?

Im Landkreis Hersfeld-Rotenburg haben sich 16 Kommunen, der Wasserverband Ost, die EAM Netz GmbH sowie der Kreisbauernverband zur Arbeitsgemeinschaft Land- und Wasserwirtschaft (AGLW) zusammengeschlossen. Angesiedelt bei den Stadtwerken Rotenburg, führt die AGLW seit 30 Jahren eine grundwasserschutzorientierte Beratung für Landwirte durch. Mit der Verbesserung und Erhaltung der Trinkwasserqualität und damit des Trinkwasserangebotes als Ziel, arbeitet die AGLW mit ca. 350 Landwirten aus 35 Wasserschutzgebieten eng zusammen. Dieses Ziel wird über eine intensive, ursachenorientierte und vor allem lokal angesiedelte, landwirtschaftliche Beratung, der in den Wasserschutz- und -einzugsgebieten wirtschaftenden Landwirte, erreicht. Ein besonderer Fokus liegt auf der Reduzierung der Nitrat- und Phosphatbelastung der Gewässer. Der Grenzwert von Nitrat im Grundwasser beträgt 50 mg/Liter.

Bodenprobeentnahmegerät für Nmin

Stickstoff (N) kommt im Boden in mineralischer Form (Ammonium und Nitrat) und organisch gebunden (z.B. Pflanzenreste) vor. Stickstoff ist für Pflanzen essentiell und kann nur in mineralischer Form aufgenommen werden. Die Organik (Gülle, Pflanzenreste, Mist, etc.) wird im Boden zersetzt und immer weiter zerkleinert (Mineralisation) bis Bakterien Ammonium hinterlassen. Ammonium wird ebenfalls von Bakterien im Boden zu Nitrat umgewandelt. Nitrat ist als Endprodukt des Mineralisationsprozesses im Boden mit dem Wasser frei beweglich und folgt dem Massestrom. Wird das verfügbare Nitrat nicht von den Pflanzen aufgenommen (z.B. kein Wachstum nach der Ernte), kann es mit dem Sickerwasser ins Grundwasser gelangen und dort den Nitratgehalt erhöhen. Im Herbst werden Bodenproben von Flächen in Wasserschutzgebieten gezogen, um den aktuell vorhandenen, in mineralischer Form vorliegenden Stickstoff im Boden festzustellen (Nmin-Gehalt). So kann analysiert werden, wie die Ausnutzung des N war und wo noch Optimierungsbedarf liegt, um das Auswaschungspotenzial zu reduzieren.

Untersuchungsset für Nitratcheck

Ziel der Beratung ist es, die Pflanzen so zu versorgen, dass Sie den bestmöglichen, standortspezifischen Ertrag erzielen – immer nach dem Motto „So wenig wie möglich, so viel wie nötig“. Dabei spielt neben ackerbaulichen Aspekten auch die Versorgung mit anderen Nährstoffen eine entscheidende Rolle. Über verschiedene Versuche versucht die AGLW in Zusammenarbeit mit den Landwirten die N-Effizienz zu verbessern, denn nur so lässt sich ein übermäßiger Austrag von Nitrat ins Grundwasser vermeiden. Daneben spielt auch die Nutzung des auf der Fläche vorhandenen Stickstoffs über z.B. Zwischenfrüchte eine tragende Rolle, um den Stickstoff zum einen vor Auswaschung zu schützen und zum anderen für die Folgekultur zu konservieren (Stickstoff wird von der Winterzwischenfrucht aufgenommen und in Biomasse eingebaut, durch Frost stirbt die Pflanze und der gebundene Stickstoff wird bei Wärme über natürliche Umsetzungsprozesse im Boden wieder frei). Weitere Einflussfaktoren auf den Nmin-Wert sind die organische Substanz im Boden (Mineralisation), die Düngung (organisch und mineralisch) und das Wetter.


Bodenproben, regionale Versuchsergebnisse und vegetationsbegleitende Maßnahmen vor Ort stellen eine sehr gute Grundlage für die Beratung dar. Gerade Versuche und Ergebnisse von und mit den Landwirten aus und für unsere Region führen zu einer erfolgreichen grundwasserschonenden Bewirtschaftung.






36 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen