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  • Frederike Imbusch

Was kommt eigentlich nach der Ernte?

Ich habe viel Zeit während des Studiums mit Marlene, Daniel und den Kindern verbracht. Jetzt hat es mich zur Bundeslehranstalt Burg Warberg e.V. verschlagen. Der Lawi-Info-Pfad ist eine tolle Möglichkeit, die Landwirtschaft und ihre Produkte allen Interessierten näher zu bringen. Man ist vor dem Feld live dabei.

Aber was passiert eigentlich nach der Ernte? Oft sehen wir diesen Bereich der Wertschöpfungskette nur ganz am Rande – wenn man an Silos vorbeifährt oder noch schnell Kaninchenfutter im Landhandel besorgt. Für die meisten bleibt er wohl sogar ganz unsichtbar. Dabei nimmt der Landhandel nicht nur eine zentrale Position in der Lieferkette ein. Er sorgt vor allem dafür, dass die Qualität des Ernteguts, welche die Landwirt:innen unter hohem Aufwand zum Ziel haben, erhalten bleibt.

Getreide und Ölsaaten leben nach der Ernte weiter. Das bedeutet, dass im Korn noch immer verschiedene Stoffwechselprozesse stattfinden können, wie beispielsweise der enzymatische Abbau der wertvollen Stärke oder das Schwitzen des Kornes. Solche nachteiligen Prozesse finden insbesondere dann statt, wenn das Erntegut zu feucht oder beschädigt ist. Dies kann entstehen, indem das Erntegut mit Unkräutern und Ungräsern verunreinigt ist, wenn Schädlinge die Ware beschädigen und aus vielen anderen Gründen.

Um solch ungünstigen Bedingungen entgegenzuwirken, trifft der Landhandel verschiedene Vorkehrungen. Bei der Warenannahme werden beispielsweise Proben genommen, die aufwändig auf Fremdbestandteile, Schädlinge und ihre Qualität im Labor untersucht werden. Nicht-einwandfreies Getreide nimmt auch einen anderen Geruch an, über den sich auf die Schädigung schließen lässt. Diese Untersuchung ist nicht nur für die Abrechnung mit den Landwirt:Innen wichtig, sondern auch, um die Ware im Anschluss richtig behandeln und lagern zu können. Für die Mitarbeiter:innen in der Lagerung ist es zwingend notwendig, sich gut mit der Belüftung, Kühlung und Trocknung der Ware, wie auch mit Schädlingen auszukennen. Nur so kann die Ware unter optimalen Bedingungen gelagert und auf diese Weise Verluste vermieden werden.

Obwohl diese Maßnahmen sich relativ simpel anhören, ist hierfür eine sehr gute Warenkenntnis und viel Know-how über die Lagerung und Verarbeitung notwendig. Bei falscher Lagerung und zu feuchter Ware kann sich diese zum Beispiel so stark erhitzen, dass es zur Selbstentzündung kommt.

Nur Ware mit passender Qualität lässt sich schließlich weiterverarbeiten – in der Mühle zu verschiedenen Getreideprodukten wie Mehl und Grieß, im Futtermischwerk zu Futtermitteln für Tiere, in Ölmühlen zu Ölen, usw. Jeder dieser Abnehmer:Innen hat andere Anforderungen an die Qualität der Ware, abhängig vom Produkt. Auch diese muss der Landhandel kennen.


Damit die Mitarbeiter:Innen im Landhandel das alles meistern können, müssen sie wirkliche Expert:Innen auf ihrem Gebiet sein. Hier möchten wir von der Bundeslehranstalt Burg Warberg e.V. die Landhändler:Innen unterstützen. Regelmäßige Weiterbildungen zu den verschiedensten Arbeitsbereichen, von der Warenkunde über Tierernährung bis zum Vertrieb, sollen die Mitarbeiter:Innen fachlich fit und innovativ machen. Schließlich geht es um ein hohes Gut, das gehandelt wird, dem die Landwirt:Innen ihren vollen Einsatz widmen.

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