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  • Dr. Svenja Bänsch

Nisthilfen für Insekten

Aktualisiert: Mai 22

Ich kenne Marlene bereits seit unserem Studium und finde, der Lawi-Info-Pfad ist ein großartiges Projekt. Daher freue ich mich, dass ich den Pfad in Herleshausen mit zwei Nisthilfen unterstützen kann, die bereits angebracht und bereit für den Einzug der ersten Gäste sind.

Lawi-Info-Pfad: Nisthilfen am Pfad

Seit einigen Jahren beschäftige ich mich mit der Forschung rund um Bienen und untersuche vor allem die Diversität der vorkommenden Arten, welche Pflanzenarten und Lebensräume die Bienen besonders gerne mögen und wie wichtig Bienen für die Landwirtschaft sind. Sie bestäuben nämlich viele unserer Nutzpflanzen und können so zu einem höheren Ertrag und einer besseren Qualität beitragen.

Die Nisthilfen wurden mit Schilfrohrhalmen gefüllt und werden von hohlraumnistenden Bienen besiedelt. Besonders häufig ist bei uns die rostrote Mauerbiene zu beobachten. Sie verschließt die Röhrchen mit Lehm, sobald sie Eier und Pollen als Nahrung für den schlüpfenden Nachwuchs in die Röhrchen gelegt hat. Die Bienenlarven vieler Arten überwintern als Vorpuppe, das heißt noch nicht als erwachsene Biene. Fast alle unserer Wildbienenarten haben nur eine Generation pro Jahr.


Lawi-Info-Pfad: Biene mit Pollenhöschen

So eine Nisthilfe kann jede:r ganz einfach selbst bauen, dafür braucht es nur Schilfrohrhalme, die kein Mark haben. Die Nisthilfen können zwar einige Arten fördern und ihnen ein Zuhause bieten, vor allem aber lassen sich die Bienen so sehr gut beobachten. Die meisten bei uns vorkommenden Bienenarten (über 70%) nisten jedoch im Boden, sie brauchen beispielsweise offenen, sandigen Boden oder auch Abbruchkanten.


Aktuell arbeite ich in einem Projekt, das die Insektenvielfalt auf Ackerflächen in Niedersachsen untersucht (FINKA – Förderung von Insekten im Ackerbau) und zum Bundesprogramm Biologische Vielfalt gehört. Konkreter untersuchen wir vom Zentrum für Biodiversitätsmonitoring (Zoologisches Forschungsmuseum Alexander König) gemeinsam mit unseren Projektpartnern, wie sich unterschiedliche Bewirtschaftungsmaßnahmen im Ackerbau auf die Insektenvielfalt auswirken. In dem Projekt engagieren sich Landwirtinnen und Landwirte, Wissenschaft und Beratung gleichermaßen. Das Monitoring findet auf ökologischen und konventionellen Flächen statt sowie konventionellen Flächen, die ohne Herbizide und Insektizide bewirtschaftet werden. Um sich über das Management auf den Flächen abzustimmen, haben sich jeweils ein ökologischer und konventioneller Betrieb zusammengetan und stehen im engen Austausch miteinander.

Die Nisthilfen sind ein Teil des Monitorings, mit denen wir zum einem Bienenarten erfassen, aber auch andere Arten und Interaktionen mit Parasiten beobachten können. Es gibt zum Beispiel Wespenarten, die die Schilfrohrhalme ebenfalls als Nistmöglichkeit nutzen. Anstatt Pollen sammeln diese aber Spinnen als Nahrung für ihre Nachkommen. Parasitoide, wie zum Beispiel viele Erzwespenarten, ernähren sich von den jungen Bienenlarven und töten diese im Verlauf ihrer Entwicklung. Es gibt aber auch Brutparasiten, die ähnlich wie der Kuckuck, ihr eigenes Ei in die Brutzellen schmuggeln. Diese Arten werden auch Kuckucksbienen bzw. Kuckuckswespen genannt. Zusätzlich zu diesen Beobachtungen werden wir Pollen aus den Nisthilfen sammeln. Der Pollen kann unter dem Mikroskop oder auch über die DNA bestimmt werden und Aufschluss darüber geben, welche Pflanzenarten die Bienen besonders gerne besucht haben. So können wir unter anderem untersuchen, wie wichtig die Ackerbegleitflora als Pollenquelle für die Bienen ist.


Landwirtschaft ist spannend und vielfältig! Landwirtinnen und Landwirte gestalten die Landschaft und tragen so dazu bei, dass viele Tier- und Pflanzenarten in der Agrarlandschaft einen Lebensraum finden. Mit der Erforschung der Artenvielfalt und den Nahrungs- und Lebensraumpräferenzen einzelner Arten können wir gemeinsam dazu beitragen, eine nachhaltige Agrarlandschaft zu gestalten.

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