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  • Sebastian Streit

Landwirtschaft und Imkerei – es geht nur Hand in Hand

Immer wieder hört und liest man, dass die moderne Landwirtschaft der Umwelt und insbesondere der Insektenvielfalt massiv schaden würde. Dabei sind sich die Wissenschaftler*innen weitestgehend einig, dass wir einen Rückgang der Insektenvielfalt zu verzeichnen haben. Unklar hingegen ist dabei, welche Ursachen hier vor allem zu nennen sind. Ferner gilt es zu beachten, dass die Honigbiene hierbei nicht im Fokus steht, sondern Wildbienen und andere Insektengattungen.

Davon unabhängig möchte ich - als Imker und Agrarwissenschaftler - Sie einladen, die Perspektive auf die Zusammenhänge zwischen Imkerei (d.h. der Honigbienenhaltung) und der Landwirtschaft einmal aus meiner Sicht zu betrachten.

Ich imkere im Landkreis Göttingen in einem kleinen Dorf der Samtgemeinde Dransfeld mit aktuell acht Bienenvölkern. Als Trachtpflanzen, die meine Bienen zum Sammeln von Nektar und Pollen anfliegen sind vor allem drei Quellen zu nennen: Raps, Linde und verschiedene Pflanzen aus angelegten Blühstreifen.


Wenn auch insbesondere der Rapsanbau durch den Einsatz bestimmter Insektizide (einer Art von Pflanzenschutzmitteln) immer wieder in der Diskussion stand und steht, so darf bei der ganzen Diskussion nicht vergessen werden, welche Ökosystemleistungen (ökologischer Nutzen) diese Kulturpflanze für die Honigbienen und andere Bestäuber bietet. Gleichwohl können auch die Landwirte mit Mehrerträgen im Raps aufgrund der Bestäubungsleistung der Bienen rechnen. Der Wegfall dieser Kulturpflanze würde die Imkerschaft in meinen Augen dabei deutlich härter treffen, als die in Einzelfällen beobachteten Effekte bei unsachgemäßer Applikation bestimmter Pflanzenschutzmittel.

Nach dem Abblühen des Rapses und vor Beginn der Lindenblüte kann häufig eine so genannte „Trachtlücke“ entstehen, weil zwischenzeitlich ein nur sehr begrenztes Nektarangebot herrscht. Und auch hier kann die Landwirtschaft Dienstleister für die Imkerei sein: Durch die Anlage von Blühstreifen, die unterschiedlichste Blühpflanzen mit verschiedenen Blühzeitpunkten enthalten, kann den Bienen über einen großen Zeitraum ein gutes Nektar- und Pollenangebot dargeboten werden. Bei uns im Ort legen mir verschiedene Landwirte hierzu Blühstreifen an, an welche ich meine Bienenkästen oftmals direkt platziere.

An Hand der beiden Fallbeispiele ist meines Erachtens klar ersichtlich, dass Landwirtschaft und Imkerei voneinander abhängig sind und sich gegenseitig auch bedingen. Dabei sollten bestehende Probleme in der Landwirtschaft wie zum Beispiel der Rückgang extensiven Dauergrünlandes mit reichem Blühangebot oder der Verlust an Hecken und zusammenhängenden Landschaftselementen selbstverständlich registriert und in Zukunft verbessert werden. Es gilt moderne agrarpolitische Rahmenbedingungen zu schaffen, dabei aber auch bereits aktuell vorhandene Ökosystemdienstleistungen der Landwirtschaft nicht zu vergessen, und zwar unabhängig von der Betriebsform (konventionell oder ökologisch wirtschaftend).



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